Oberliga-Spielbericht RSV Göttingen 05 – Lupo Martini Wolfsburg 1:0 (1:0)

Der folgende Artikel stammt aus der Feder von Dirk Mederer:

Knapper Sieg vor Rekordkulisse

Die Ereignisse rund um den RSV05 und die Loslösung der Herrenabteilung unter „altem“ Namen sind in diesen Tagen in aller Munde und so kam mancher ehemaliger Fan des 2003 insolvent gegangenen 1. SC Göttingen 05 an diesem wolkigen Herbstsonntag erwartungsfroh ins Jahnstadion. Zudem hatte der Verein an den Schulen der Stadt geworben und es stellte sich heraus, dass auch Oberligafußball durchaus attraktiv für die Youngsters war.

Mitunter hatte man vor dem Anpfiff im Bienenkorb der Stehplätze das Gefühl, dass endlich einmal wieder über Dinge gesprochen wurde, die so mancher knapp zehn Jahre lang verdrängt hatte. Die Gegengerade, das Supporterherz des Stadions, war dagegen wie immer voll auf das Spiel konzentriert. Schließlich wollte man mit einer Choreo und besonders viel akustischem Einsatz daran erinnern, wer dafür gesorgt hatte, dass der Verein auch in den Jahren der Unterklassigkeit nicht in Vergessenheit geraten ist. Ein Banner mit der Aufschrift „Die Legende lebt!“ fasste die Stimmung im „Block“ gut zusammen. Der Einmarsch der Spieler wurde prompt mit einer schwarz-gelben Orgie aus Kreppbändern begrüßt.

Die Gäste von Lupo Martini Wolfsburg hatten in der vorherigen Partie VfV Borussia 06 Hildesheim mit schnellem Konterfußball 5:0 überraschend abgefertigt. Mit noch einem ausstehenden Spiel belegten die Italiener aus der VW-Metropole einen soliden 6. Platz mit Ambitionen nach oben. So war schon vor dem Anpfiff klar, dass die Hintermannschaft gefordert sein würde.

Die Schwarz-Gelben kamen ohne den, beim Training verletzten, Christoph Meyer auf den Platz und zeigten gleich von Anfang an, dass man noch längst nicht bereit war die Erfolgsserie reißen zu lassen. Bereits in der 4. Minute ging ein Kopfball von Lukas Zekas  nur knapp über die Latte. Eine Minute später klärte Wolfsburgs Keeper Lennart Gutsche einen Hundertprozenter von Christian Horst auf der Linie. Dennoch blieben die schnellen Konter der Lupos immer gefährlich. In der 15. Minute konnte Christian Horst im Strafraum nur in letzter Not retten. Doch zu mehr kam es nicht, denn Lukas Zekas bugsierte in der 17. Minute einen Einwurf so kraftvoll vor das Tor, dass Özkan „Ötze“ Beyazit den abtropfenden Ball ungefährdet einschieben konnte. Ein 1:0 des Goalgetters nach Maß.

Wolfsburg wirkte in der Folgezeit regelrecht angestachelt. Doch es zeigte sich  in dieser Sturm-und-Drang-Phase wie organisiert die Abwehr der Göttinger war. In der 19. Minute war es dagegen 05-Keeper Dennis Koch, der einen gefährlich Schuss von Pascal Thomsen hielt. Im weiteren Verlauf kam es immer wieder zu Nickeligkeiten, ohne dass das Spiel wirklich ruppig wurde. Julian Keseling erhielt eine gelbe Karte wegen vermeintlichen Handspiels. Der nachfolgende Freistoß von der Strafraumgrenze wurde von Koch gehalten. Und auch in der 32. Minute muss der Routinier zwischen den Pfosten den Vorsprung sichern. Im Gegenzug scheiterte Thorben Rudolph nach schöner Drehung am Lupo-Torwart.

Die folgenden Minuten gehörten dem bärenstarken Jan-Henrick Matthes, der mit viel Einsatz und großer Ballsicherheit das Mittelfeld beherrschte. Leider scheiterte er, ebenso wie später Ötze nach seinem Zuspiel, am Keeper. In dieser Phase lag das 2:0 regelrecht in der Luft; fallen wollte es trotzdem nicht. Kurz vor dem Pausenpfiff erntete Lupo-Stürmer Steffen Erkenbrecher noch eine gelbe Karte für eine Schwalbe im Strafraum.

Zur Halbzeit eine kurze Reise in die Geschichte des Gastvereins:

Lupo Martini Wolfsburg entstand aus einer Fusion zweier italienischer Gastarbeitervereine, dem 1962 gegründeten Club Lupo (in Erinnerung an den Gastgeber Wolfsburg) und den 1970 ins Leben gerufene Verein US Martini. Gemeinsam sind sie der älteste Gastarbeiterverein Deutschlands. Bereits 2005 stiegen die italienischen Wölfe in die Oberliga auf, wo sie jedoch aufgrund der Ligareform wieder abstiegen und erst wieder in dieser Saison aus der Landesliga, in der sie auch des öfteren gegen Göttingen 05 antraten, zurückkehrten.

Die zweite Hälfte der Partie begann für die unverändert auf den Platz kommenden Göttinger holpriger. Der Spielaufbau wirkte unkonzentrierter und Lupo Martini war deutlich motiviert den Anschlusstreffer zu erzielen. Gleich zweimal binnen drei Minuten musste Dennis Koch mit großartigen Reflexen selbigen verhindern. Ein eigentlich todsicherer Kopfball von Steffen Erkenbrecher nach einer Ecke in der 57. Minute wurde von Göttingens Nummer 1 geradezu artistisch abgewehrt.

Beide Teams wechselten. Bei 05 kam in der 61. Minute, unter lauthalsen „Huck, Huck, Huck“-Rufen der Fans, der lange verletzte Robert Huck für Lukas Zekas. Inzwischen war auch die Zuschauerzahl bekannt gegeben worden: 1.791 Gäste; das war Ligarekord. Martini Lupo machte zunehmend Druck, scheiterte aber immer wieder an der Abseitsfalle und am stabil agierenden Göttinger Torwart.

Aber auch die Abschlussversuche der Schwarz-Gelben blieben ohne Erfolg. Man mochte sich sogar zu dem Urteil verleiten lassen, dass die Spitze inzwischen etwas müde wirkte. In der 80. Minute wurde Thorben Rudolph wegen Meckerns verwarnt und in der 83. Minute für Mazlum Dogan ausgewechselt. Ein Freistoß von „Ötze“ kurz vor dem Abpfiff konnte keine Torgefahr mehr generieren und als dieser schließlich vom Platz ging, um verdienten Applaus zu erhalten und Platz für Christian Spohr zu machen, war das Spiel auch schon vorbei.

Krönung einer eher schwächeren zweiten Hälfte war das überraschende Aufflackern der Anzeigetafel mit den Worten: „Yippie Yay…die Tafel geht wieder.“ Mit acht Partien ohne Niederlage in Folge im Rücken und dem ungewohnten Gefühl beim Verlassen des Parkplatzes im Stau zu stehen, verließen die Fans von Göttingen 05 einträchtig das Stadion. Egal, ob mit schwarz-gelben oder schwarz-gelb-grünen Schals.

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